Über Hiroshima in die verlassene Stadt Toki  

Posted by Luke in , , , , ,

In Hiroshima haben wir einen Zwischenstopp gemacht. Wir haben dort keine 24 Stunden verbracht, was daran lag, dass wir einen engen Zeitplan mit unserem Rail-Pass einhalten mussten. Der Grund für den Zwischenstopp war, dass wir dort Freunde besuchen wollten. Eine Freundin haben wir gerade erst wenige Wochen vorher in Deutschland gesehen und mittlerweile ist sie wieder zurück in Hamburg. Aber das Wiedersehen mit Yûsuke und weiteren Bekannten, die ich bei meinem ersten Hiroshima-Aufenthalt kennenlernen durfte war deshalb besonders schön, weil es schon sehr lange zurücklag.
Da wir erst Abends in Hiroshima ankamen und von unseren Freunden am Bahnhof abgeholt wurden, ging es von dort ins Hotel, welches ein Teil vom Bahnhof ist. Somit wurde viel Zeit gespart und es ging ins "Vergnügungsviertel" von Hiroshima um Okonomiyaki zu essen. Viele wissen es bereits, aber Okonomiyaki ist eine Pfannkuchen mit fein geschnittenem Weißkohl. In den Teig werden neben dem Weißkohl gerne weitere Zutaten (von Meeresfrüchten bis Fleisch) hinzugegeben und schließlich wird das gebraten. In Hiroshima kommen noch Nudeln dazu. Während das Okonomiyaki eines deutschen Freundes auf diese Art hervorragend schmeckt, war dieses Okonomiyaki irgendwie ernüchternd. Saskia als "kansai-jin", der Region in der Okonomiyaki als Spezialität gilt, konnte dieser Zubereitungsart eh nichts abgewinnen und schwört weiterhin auf das Original.
Nun ist es so, dass Hiroshima eine weitere Spezialität zu bieten hat: nihonshu. In Deutschland besser bekannt als Sake. Diese Bezeichnung ist allerdings irreführend, weil sie im Japanischen nur für trinkbaren Alkohol steht. Darunter fallen, wie wir wissen, viele Sorten wie Whisky, Bier und eben auch Reiswein. Allerdings muss ich noch hinzufügen, dass der Reiswein nicht wirklich aus Hiroshima, sondern aus Saijô kommt. Diese ländliche Gegend in direkter Nachbarschaft ist bekannt für seine Brauereien und die ausgezeichnete Qualität. Und ich muss zugeben, dass ich auf der Fahrt vom Süden Japans bis nach Fukui in regelmäßigen Abständen den Reiswein der jeweiligen Region probierte und festgestellte, dass Sorten aus Fukui und Saijô sich von den anderen deutlich absetzen. Beide Orte sind bekannt für sauberes Wasser und eben auch den daraus gewonnenen Reiswein.
Nun gut, ich schweife ab. Ich hatte nun das Glück, dass unser nächstes Ziel eine Laden war, der sich auf Reiswein spezialisiert hat. Jeder hat einen nihonshu seiner Wahl bestellt und wir hatten wirklich alle Abstufungen von lieblich bis sehr trocken. Einige waren blumig und der Reiswein meiner Wahl leider schon fast ungenießbar trocken. Glücklicherweise haben wir uns gegenseitig probieren lassen, so musste ich den nicht alleine austrinken.
Anschließend ging es noch in eine Karaoke-Kette. Ich hatte noch meinen Mitgliedsausweis dabei, den ich schon seit über 1,5 Jahren nicht mehr benutzt habe und zu unser aller Überraschung funktionierte der immer noch und wir bekamen den versprochenen Mitgliederrabatt.Überraschend war auch wie schnell das Singvermögen nachlässt. Bereits beim ersten Lied merkte ich deutlich meine Stimmbänder. Diese Erfahrung teilte Saskia, der es sehr ähnlich ging. Spaß machte es natürlich trotzdem.
Am nächsten Tag mussten wir auch schon wieder Hiroshima verlassen. Die Zeit war knapp und wollte genutzt werden, was auch ein Grund dafür ist, dass wir so wenig Fotos in Hiroshima machten. In Toki haben wir auch keine Fotos gemacht. Das lag aber daran, dass diese Stadt einer Geisterstadt ähnelte. Die Einkaufstraße, die auf den Bahnhof zuführte deutete es schon an: Die geschlossenen Läden, verborgen durch die heruntergelassenen Rollläden vermittelten das Gefühl einer längst verlassenen Stadt, in der ein Wiederaufleben der Wirtschaft unwahrscheinlich schien. Es war wirklich trostlos. Verstärkt wurde das Gefühl durch das Regenwetter, welches uns am ersten Tag begleitete. Kein guter Zeitpunkt die Gegend zu erkunden. Doch leider mussten wir uns beeilen um noch einen Ofen, in dem Oribe selbst Keramik gebrannt haben soll, zu sehen. Außerdem gab es eine kleine Ausstellung der Forschungsstätte, die noch heute Ausgrabungen durchführt und jährlich Berichte veröffentlicht. Diese Berichte konnte man dort kaufen und ich habe mich vorsorglich mit einigen eingedeckt. Natürlich interessierten wir uns auch für die Keramiken, die in dieser Region gebrannt werden. Aber dieses Interesse sollte nicht befriedigt werden. Es gab in unserer Nähe kein einziges Geschäft, welches Keramik verkaufte. Nur bei der Touristen-Information waren einige, teils auch schöne Keramiken vorhanden, von denen wir aber keine mehr kauften, weil sie erst am Abreisetag entdeckten.
Vor der Touristen-Information haben wir noch eine kleine Gruppe Jugendlicher gesehen, die vor dem Bahnhof mit ihren Rollern parkten und sehr laut Musik hörten und rauchten. Sie mögen so um die 16 gewesen sein und benahmen sich sogar für deutsche Verhältnisse ziemlich daneben. Nun mag das vielleicht für den einen, oder anderen nicht erwähnenswert klingen und wenn man aus Hamburg kommt, dann ist man eigentlich nichts anderes gewohnt. Allerdings habe ich diese Erfahrung in Japan das erste mal gemacht. Und auch Saskia, die weit mehr Japan-Erfahrung als ich vorzuweisen hat, war erstaunt. Üblich ist das nicht...
Auch unser Hotel wirkte etwas gruselig. Die Einrichtung und der Teppich wurde seit der Eröffnung vor 20, oder 30 Jahren nicht gewechselt. Bei dem Teppich ist das nichts besonderes, weil bisher in jedem unserer Hotels der Teppich schmutzig gewesen ist. Und das sollte sich auch bis zu unserer Rückkehr nach Deutschland auch nicht mehr ändern. Der Hotelbesitzer schenkte uns dann noch zwei Kostbarkeiten, die ich als kleine Unverschämtheit wertete. Wir bekamen zwei Becher einer Kaffeehaus-Kette geschenkt, die scheinbar ihre abgenutzten Becher ausrangierte und dabei einen Abnehmer fand, der wiederum neue Abnehmer dafür suchte, in diesem Fall seine Kunden. Ganz ehrlich. Für mich war das Müll. Und Müll bekomme ich nicht gerne geschenkt. Der Zustand dieser Becher war wirklich äußerst bescheiden. Die ehemals weiße und glatte Oberfläche hat längst ihren Glanz durch die vielen Gebrauchspuren verloren. Am Abreisetag hätten wir noch fast unseren Zug verpasst, weil ich von dem Hotelbesitzer angesprochen wurde und er mir plötzlich anfing die unterschiedlichen Glasurtypen der dortigen Keramik zu erklären. An sich nicht uninteressant, allerdings kannte ich die Unterschiede schon, schließlich habe ich mich mit der Materie schon ein wenig auseinandergesetzt. Aber ich wollte nicht undankbar sein und hörte höflich zu.
Dann ging es nach Tajimi. nur ein paar Kilometer weiter und doch eine ganz andere Stadt, in der wir auch unsere Keramiken fanden. Über diese dann aber mehr im nächsten Blog.

Karatsu - auf den Spuren Furuta Oribes  

Posted by Luke in , , , , ,

Weil der Titel einigen Lesern zu langweilig scheinen könnte möchte ich die fremd wirkenden Begriffe vorab mit ein bisschen Leben füllen. Karatsu ist eine Stadt auf der Insel Kyûshû. Aber wenn man von Karatsu spricht, dann meint man in der Regel die Keramik-Gattung. Aufmerksamen Lesern ist es vielleicht schon aufgefallen, dass man in Japan die Keramik-Gattungen nach der Region, in der sie gebrannt werden, nennt. Allerdings gibt es natürlich Ausnahmen und mittlerweile werden Stile auch überregional übernommen und es lassen sich wechselseitige Einflüsse beobachten.
In Karatsu jedenfalls wurde bis ins 15. Jahrhundert hinein Keramik gebrannt, die stark der koreanischen Keramik ähnelte. Das hat einerseits damit zu tun, dass Korea nicht weit von Kyûshû entfernt ist und quasi die gesamte Keramik der Halbinsel diesen Einfluss aufweist(e). Andererseits sorgte gerade Toyotomi Hideyoshi, der selbst ein begeisterter Anhänger des japanischen Tee-Wegs war und als Taiko (Titel eines militärischen Herrschers, aber unter dem Rang eines Shôgun) Krieg gegen Korea führte und bei der Gelegenheit Töpfer aus Korea nach Japan verschleppen ließ, dafür, dass sich koreanische Glasuren und Stile in der Region etablierten und bis heute überliefert wurden.
Der Teemeister Furuta Oribe kam dann im 16. Jahrhundert in diese Gegen und beeinflusste die Keramikgattungen weiter. Und genau diesen Einfluss wollte ich erforschen und musste leider feststellen, dass es in Karatsu kein Museum gibt, welches sich auf dieses Thema spezialisierte. Schlimmer noch: es gab eigentlich nur das Schlossmuseum mit einigen wenigen Exponaten. Diese waren zwar recht hübsch, allerdings habe ich mir etwas mehr erhofft.
Die Stadt selbst ist dafür sehr hübsch und ich durfte nach langer Zeit mal wieder erleben, was es heißt ein Ausländer zu sein. Das bedeutet nämlich, dass man die Aufmerksamkeit auf sich zieht. So wurde ich gleich mehrmals von fremden Kindern auf der Straße gegrüßt, mal auf Japanisch, mal auf Englisch. Ich gehöre ja zu den Menschen, die das überhaupt nicht stört. Im Gegenteil, ich mag diese unbeschwerte Art und mir ist ein netter Gruß viel lieber, als ein "hast Du ein Problem?", oder "was guckst du?".
Becher 3: e-garatsu-Stil
In Karatsu war ich übrigens allein unterwegs, weil sich Saskia noch in Imari aufhielt um dort zu recherchieren. Und wenn man allein unterwegs ist, dann wird man häufiger angesprochen, als wenn man es in Begleitung ist. So auch geschehen auf dem Weg zur Bibliothek. Ich betrat das Gebäude und musste feststellen, dass sich die Bibliothek im ersten Stockwerk befindet. Im Erdgeschoss gab es aber eine Empfangsdame, die sich mit einem Mann mittleren Alters unterhielt. Bevor ich die Treppe erreichte wurde ich schon angesprochen. Der Mann war Journalist und in einem Nebenraum fand gerade eine Ausstellung von verschiedenen Zen-Malereien und Kalligraphien statt. Der Journalist wollte einen Artikel über diese Ausstellung schreiben und brauchte noch ein Foto. So fragten mich beide, ob ich nicht vor einem Bild posieren könne. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass es nicht das erste Mal war, dass ich von fremden Menschen angesprochen wurde um für ein Foto zu posieren und ich denke, dass viele Japan-Besucher diese Erfahrung bereits gemacht haben durften. Bei dem Foto blieb es aber nicht. Denn als sich für die beiden herausstellte, dass ich Japanisch spreche, dann folgte noch ein Interview über die Exponate und wie weit Zen-Malereien im Westen verbreitet sind. Dann folgte eine weitere Foto-Session, weil ich bei der ersten in Jacke und mit Tasche posierte. Schließlich wurde ich erlöst und durfte dann endlich die Bibliothek betreten, in der es erwartungsgemäß keine brauchbaren Materialien gab.

Becher 2: e-garatsu-Stil
In einem kleinen Kaufhaus mit zwei Etagen wurden verschiedenste Artikel aus der Region verkauft. Der Bezug zur Region und zu den dortigen Lebensmitteln ist sehr viel größer als in Deutschland. Während man in Deutschland das Gefühl hat, dass eine Kartoffel, eine Kartoffel sei, so ist im übertragendem Sinne eine Kartoffel aus dem Süden Japans etwas ganz anderes als im Norden und beides können Spezialitäten sein. Nein, sie werden sogar ganz gewiss zu Spezialitäten hochstilisiert. Jedenfalls war das Erdgeschoss voll von regionalen Spezialitäten wie Reis, Gemüse, Fisch usw. Im Geschoss darüber wurde nur Keramik verkauft. Dort hielt ich mich natürlich länger auf und kaufte zwei schöne Becher. Das hielt mich aber nicht davon ab einen weiteren Becher in einem anderen Laden zu kaufen.
Becher 3: madara-garatsu-Stil
Dort hatte ich das Glück auf die Ladenbesitzerin zu stoßen, die mir die verschiedenen koreanischen Glasuren ausführlich erklärte. So sei es ein Merkmal von Karatsu-Keramik, dass die Glasur bei Benutzung von sich aus craqueliert, also leicht splittert. Nun mögen einige vielleicht denken, dass dies wohl kaum gewollt sein kann. Doch solche "Mäkel" genießen in Japan hohe Wertschätzung. Genauso, wie die Verfärbung der Glasur, die bei regelmäßiger Benutzung über die Jahre entsteht und Farbe in die eher graue Glasur bringt.
Doch die japanische Ästhetik ist ein anderes und zu umfangreiches Kapitel um es noch in diesem Post zu behandeln. Nachmittags traf ich mich wieder mit Saskia und zusammen sind wir dann nach Hiroshima gefahren. Aber das ist Teil des nächsten Blogs... Fotos aus Karatsu gibt es wie immer links oben im Foto Archiv :)

Arita - Die Porzellan und Keramik Hochburg  

Posted by Luke in , , , , ,

Es ist schon ein Jammer, dass der Japan-Aufenthalt so lange her ist, dass man, wenn man an die Zeit zurück denkt, von Wehmut ergriffen wird. Ich werde mir, um die Erinnerungen festzuhalten, die Mühe machen chronologisch mit den Erlebnissen fortzufahren.
Das letzte mal sind wir Imari stehengeblieben und es sollte nach Arita - quasi die Nachbarstadt - weitergehen. Zur Erinnerung: Wir befanden uns auf Kyûshû, im Süden des Landes und waren von den Geschehnissen in Fukushima in keinster Weise betroffen. Trotzdem haben wir uns täglich informiert ob der Wind nicht vielleicht doch radioaktive Partikel in unsere Gegen wehen könnte. Glücklicherweise blieben wir davon verschont.
Die Besonderheiten im Süden sind keineswegs nur auf Porzellan und Keramik beschränkt. Nach Shizuoka ist die Anbauregion um Kagoshima für erstklassigen Tee landesweit berühmt. Wir waren zwar nicht in Kagoshima, aber den Tee gab es natürlich trotzdem überall zu kaufen und wir haben uns mit den grünen Blättern vorsorglich eingedeckt.
Aber zurück zu Arita. Dafür, dass Arita Porzellan und auch Keramik über die Landesgrenzen hinaus so bekannt sind, ist die Stadt in unserer Wahrnehmung eher ein kleines Dorf. Die Einwohnerzahl beträgt nur 20.000 und in der Stadt gab es kaum Hochhäuser. Aber sie war in einem recht guten Zustand. Wenn man in Deutschland in einen Teeladen geht und das Glück hat Teekeramik-Becher aus Japan zu finden, dann kommen sie mit recht großer Wahrscheinlichkeit von hier. Auch das Imari-Porzellan wurde früher überwiegend in Arita produziert und über Imari verschifft. Daher der auch der Name. Allerdings muss ich anmerken, dass wir in Arita selbst kaum Keramik gesehen haben, dafür umso mehr Porzellan. Im Saga Kenritsu Kyūshū Tōji Bunka-kan (佐賀県立九州陶磁文化館), dem Museum für keramische Kultur der Präfektur Saga hatten sie allerdings beides. In dem sehr groß angelegten Gebäude gab es darüber hinaus noch eine kleine Bibliothek und eine eigene wissenschaftliche Abteilung. Die Exponate waren teilweise sehr interessant, aber viel wichtiger waren die Ausstellungskataloge und Bücher, die wir zum Teil sogar kopieren durften.
Die verbliebene Zeit nutzten wir um Teebecher, bzw. eine Kanne für Freunde zu suchen. In Japan haben ja nur Hauptstraßen einen richtigen Namen, und wenn man einen Ort das erste Mal aufsucht, dann bekommt man häufig eine Miniaturkarte, anhand derer man sich orientieren kann. Leider sind auf solchen Karten nicht alle Straßen verzeichnet und es kam wie es kommen musste, wir verloren recht viel Zeit, auf der Suche nach dem richtigen Weg. Unser Ziel war nämlich eine kleine Straße, in der links und rechts Läden aneinandergereiht standen, in denen es nur so von Keramik und Porzellan wimmelte. Weil wir aber so viel Zeit auf dem Weg dorthin verloren haben, stürmten wir nur in die Läden hinein scannten alle Objekte mit ab und verließen die Läden auf kürzestem Weg wieder, wenn nichts brauchbares dabei war. Wir hatten für alle Geschäfte nur noch 30 Minuten... Am Ende haben wir dann wenigstens eine Kanne erstanden, die jetzt in Miloszs Besitz ist.
Auf dem Weg zurück haben wir dann knapp den Bus verpasst. Einer von Dreien, die täglich fahren...
Mehr gibt es zu Arita auch nicht zu erzählen. Am nächsten Tag ging es auch schon nach Karatsu. Aber Karatsu bekommt seinen eigenen Blog.

Anders als in Deutschland werden in Japan Keramiken so sehr geschätzt, dass sich durch die fast landesweiten Tonvorkommen mit der Zeit verschiedene Stile, bzw. Gattungen entwickelt haben, die noch immer von einem großen Teil der Bevölkerung geschätzt werden. Man muss hierzulande kein Studiotöpfer sein um überleben zu können. Und auch die Entdeckung der Porzellan-Herstellung, die übrigens als erstes die Chinesen entdeckt haben und nicht wie man vielleicht in Deutschland glauben mag die Manufaktur in Meißen, konnte die Vorliebe zur Keramik nur kurzzeitig zurückdrängen. In Europa ist das ja leider etwas anders gelaufen, denn unser Adel hatte seit der Zeit des Porzellan-Imports und der späteren Eigenproduktion keine Verwendung mehr für die eher schlichten und rustikal wirkenden Keramiken.
Über die Gründe ließe sich noch vieles berichten, aber da ich sonst gar nicht mehr dazu komme über unsere Reise zu erzählen, muss ich das leider aufschieben. Am Montag (04.04.2011) fuhren wir in die Präfektur Saga. Dazu haben wir uns bereits vorher einen Japan Rail Pass gekauft und sind dann mit dem Shinkansen relativ schnell nach Hakata (Fukuoka) gekommen. Ab da ging es dann leider etwas langsamer weiter, obwohl wir nur noch 50km Luftlinie entfernt waren. Für diese 50km brauchten wir dann noch weitere 3 Stunden.
In Imari angekommen, war es leider schon zu spät um noch etwas Sinnvolles zu tun. Imari ist eine der Städte, von denen Porzellan verschifft wurde. Es gibt sogar einen Stil, der nach der Stadt benannt ist und sogar auf den in den Fußwegen sind kleine Porzellan-Scherben eingearbeitet. Von großen Porzellan-Figuren und Vasen, die an einigen Kreuzungen der Stadt ausgestellt sind ganz zu schweigen.



Jedenfalls ging es am nächsten Tag zum Töpfermarkt nach Ôkawachiyama. Das ist ein Dorf, das früher versteckt angelegt wurde und in dem ganz besonders hochwertiges Porzellan hergestellt wurde. Es wurde deshalb von den Fürsten verborgen um das Geheimnis der Porzellanherstellung zu hüten. Unter anderem wurde hier das Nabeshima-Porzellan produziert, welches nur zu kostspieligen Preisen an japanische Fürsten verkauft wurde und nicht in den Westen exportiert wurde.
Wir hätten uns keine bessere Jahreszeit aussuchen können, denn die Kirschblüten sind schon fast vollständig aufgegangen. So gingen wir von Haus zu Haus - in jedem Haus waren Porzellane und Celadone aus einer anderen Manufaktur, die noch immer vor Ort produzierten. Wir haben so einige Teller und Vasen gesehen, für deren Wert man locker ein Auto hätte kaufen können. Da will man nur ungern der Elefant im Porzellanladen sein.

Auf zum "Atom-Monster"  

Posted by Luke in , , ,

Ich habe schon länger nichts mehr geschrieben, aber da mein zweiter Japan-Aufenthalt in zwei Stunden losgeht, halte ich es für eine gute Gelegenheit meinen Blog wiederzubeleben.
Die Vorfreude ist mir fast gänzlich genommen. Aber ich will nicht klagen. Es gibt Menschen, denen das eher zusteht und trotzdem nach vorne Blicken. Sie sollen mir als Vorbild dienen. Und natürlich habe ich ein mulmiges Gefühl, denn die letzten 20 Tage und vor allem die deutsche Presse mit ihren reißerischen Schlagzeilen (das "Atom-Monster" ist eine Leihgabe vom Spiegel) haben Spuren hinterlassen. Dazu kommt noch, dass die jap. Regierung und TEPCO wahrlich nicht den Eindruck machen die Situation in Fukushima unter Kontrolle zu haben.
Weswegen ich mich nun aber doch entschlossen habe die lang geplante Reise anzutreten ist, dass Kôbe, die Stadt in der ich mich hauptsächlich aufhalten werde, 600km Luftlinie von Fukushima entfernt liegt, dazwischen noch ein großes Gebirge (die jap. Alpen) ist und die Tatsache, dass bis jetzt keine erhöhte Strahlung trotz häufigerem NO-Wind in Ôsaka gemessen wurde, mir das Gefühl vermittelt weit genug von einer tatsächlichen Bedrohung entfernt zu sein. Hinzu kommt, dass NO-Wind als Voraussetzung für erhöhte Strahlung in Kôbe, nur selten zu dieser Jahreszeit weht.
Natürlich macht man sich auch Sorgen um das tägliche Brot und Leitungswasser. In Japan habe ich noch nie besonders gern Leitungswasser getrunken, weil die (geringe) Gefahr besteht sich mit Hepatitis zu infizieren. Brot ist in Japan weniger das Problem, aber bei den Meeresfrüchten wird mich Herkunftsregion schon interessieren.
Unter diesen Umständen und mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen schätze ich die Gefahr als eher gering ein. Viel wichtiger ist es mir meine lieb gewonnenen Freunde zu besuchen und in einer Zeit, in der vor allem Deutsche das Land verlassen, wie keine andere Nation und Herr Westerwelle in China lieber eine Ausstellung einweiht als zum Zeichen des Mitgefühls einen Besuch in Tôkyô abzustatten, wie es beispielsweise Sarkozy vormacht, es anders zu machen. Die drei Wochen sind schließlich nichts im Vergleich zu Menschen, die dort ihr ganzes Leben verbringen (müssen). Was wäre es denn dann für ein Signal, wenn man jetzt absagen würde?
Nun gut, ihr merkt schon, ich gehe automatisch in den Verteidigungsmodus, was vor allem daran liegt, dass ich in den letzten Wochen diese Art von Gesprächen so häufig geführt habe, dass mir die Argumente in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Ich habe aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es trotz der derzeitigen Umstände eine tolle Zeit werden kann. Es wäre mir eine Freude, wenn ich mich in dem Land in irgendeiner Weise nützlich machen könnte und sei es nur als Spender, oder Zuhörer. Davon abgesehen, geht das Leben außerhalb der Katastrophenregion, in die ich mich nicht wagen werde, seinen fast gewohnten Gang weiter. Und schließlich ist da noch der Grund, weswegen ich überhaupt nach Japan fliege: meine Recherche über drei japanische Keramik-Gattungen. Trotz der derzeitigen Umstände gibt es also durchaus Gründe mich zu freuen. Vor allem auf meine Freundin, die bereits auf mich wartet.

Flashback Kyôto April 2009.mov  

Posted by Luke

Im April ging spontan dann doch noch mit Felix nach Kyôto. Den Ausflug habe ich eigentlich schon abgeschrieben, weil die Uni zu dieser Zeit losgehen sollte, aber es stellte sich glücklicherweise heraus, dass die Uni erst eine Woche später anfing.
So fuhren wir beide nach Kyôto und ich sollte das erste Mal im Gekkôsô übernachten. Das ist Guest House, in dem sich hauptsächlich "alternative" Japaner tummelten - gute Freunde von Felix. Unser Ziel war natürlich die Kirschblüte, die wir mit seinen Freunden aus dem gekkô am Kamo-Fluss betrachteten und dabei Speis und Trank (Orion Bier und Awamori) zu uns nahmen. Saskia und Taio waren übrigens auch dabei...
Am Tag darauf gingen wir noch in den Maruyama Park. Die Fotos stammen aus dem Park und den umliegenden Tempeln und Gärten...

Die letzten Tage in Fukui  

Posted by Luke

Ich weiß, ich weiß... einen Blog schreibt man eigentlich regelmäßig und es ist nun schon fast ein Monat her, seit ich das letzte mal was geschrieben habe. Seit ich zurück bin, habe ich kein zu Hause mehr und das macht die Gelegenheiten rar, in denen man Zeit für sich hat. Das kannte ich bisher nicht. Aber wir waren ja bei Okinawa stehen geblieben...
Okinawa war ja so schön und vor allem so warm, dass ich Fukui bei 24-26°C als ziemlich kühl empfand. es gab also Anpassungsprobleme an das Wetter und ich habe sogar ab und zu mal gefroren, vor allem abends. Und die Abende wurden dann doch noch ziemlich häufig, weil ich des öfteren mal weggegangen bin. Schließlich hatte ich nur noch 3 Wochen, aber jeden Tag etwas zu tun. Der Umstand, dass ich jeden Tag beschäftigt war, führte dazu, dass ich leider meine Rückkehr nach Deutschland nicht realisierte und das Jahr kaum Revue passieren konnte. Übrigens bis heute nicht! Das Schlimme an dieser Zeit war, dass ich tief in mir durchaus spürte, dass jeden Tag ein kleiner Abschied an der Tagesordnung stand und ich irgendwas zum letzten Mal machte, bzw. jemanden zum letzten Mal traf. Man tauscht kleine Geschenke aus und schreibt sich etwas nettes und natürlich verspricht man sich in Kontakt zu bleiben, obwohl man weiß, dass die Chancen sich wiederzusehen gar nicht so gut stehen. Und so verging ein Tag nach dem anderen. Der erste Abschied nach Okinawa war gleich ein sehr, sehr Großer! Denn es war die Abschiedsfeier meines Circles. Ich habe für diese Feier extra eine Rede vorbereitet und vorgetragen. Ich hätte am liebsten die Stimmung aufgenommen, die dort herrschte. Zum ersten und letzten Mal trauten sich meine Senpai mich zum Trinken zu animieren. Ich bekam eine Bändchen mit der Aufschrift "Hauptperson des Tages" umgehängt und endete irgendwann nicht so glorreich auf dem Bett eines Kumpels, der dann auf dem Boden geschlafen hat. An diesem Abend habe ich für den Circle ein kleines Video vorbereitet, welches auch auf Youtube gelandet ist. Ich möchte es Euch natürlich nicht vorenthalten:

Danach ging es dann Schlag auf Schlag. Fast jeden Tag traf ich noch Leute, vornehmlich Satoru, Nakaji und Felix. An den Abenden dazwischen war ich noch bei Namie, der mich auch noch auf ein Bier in einer anderen Bar eingeladen hat und beim Captain. Mit Namie habe ich dann sogar noch einen Ausflug gemacht um meine neue große Liebe zu vertiefen: Japanische Keramik - insbesondere Teeschalen. Aber auch einen Tempel in der Präfektur Ishikawa (Kaga) haben wir noch mitgenommen. Dort haben wir ein Foto geschossen, welches mir Namie an meinem letzten Tag noch schenken sollte.
Eine meine Tandempartnerinnen war eine japanische Deutsch-Lehrerin. Sie hat eine Tochter in einem Kinder-Club. Dort habe ich für die Kinder ein paar deutsche Vokabeln erklärt und anschließend Fragen beantwortet. Das war eine lustige Erfahrung. Am Ende wollten alle ein Autogramm von mir haben. Ich glaube, ich habe noch nie im Leben ein Autogramm geben müssen - und werde es wohl auch nie wieder...
Das Finale war dann wohl ohne Zweifel die Abschiedsparty mit den Uni-Leuten wie Yûki, Satoru, Kôichi und natürlich Felix. Wir waren auf meinen Wunsch beim Captain, aber irgendwer hatte mittendrin die grandiose Idee zum Abschluss Karaoke singen zu gehen. Das war natürlich das Größte und hat auch total viel Spaß gemacht. Der Tag darauf war dann umso härter - ich musste ja noch die Wohnung für meine Nachfolgerin fertig machen und die letzten Sachen packen und wegschmeißen. Abends war ich dann noch bei Namie und beim Captain (ich hatte es versprochen). Die beiden sind mir mit der Zeit wirklich ans Herz gewachsen. Und wenn ich eines Tages nach Fukui zurückkehre, dann kann ich mir wenigstens sicher sein beide wiederzusehen...
Die letzte Nacht in Japan verbrachte ich allerdings nicht mehr in Fukui. Mein Flug nach Frankfurt ging bereits um 10:30 vom Kansai Airport los, da musste ich schon in der Nähe übernachten. So hat es sich ergeben, dass ich mit Felix nach Ôsaka fuhr und er mir ein paar schöne Ecken zeigte (Tennoji und Shinsaibashi). Es war ein wirklich würdiger letzter Abend in einer Stadt, von der ich bisher nur wenig mitbekommen habe, mit leckerem Okonomiyaki und Gyoza, ein bisschen Bier und der Erfahrung in einem Kapsel-Hotel geschlafen zu haben. Fotos sind in den Galerien.
Am nächsten Morgen ging es früh los um zum Flughafen zu fahren. Doch das realisiert habe ich meine Rückkehr erst viel später. Eigentlich erst in Deutschland.
Mittlerweile ist fast ein Monat seit dem vergangen und ich trauere Japan fast täglich hinterher. Ich versuche mich an den Alltag zu gewöhnen und ein Stück Japan in mein Leben in Deutschland einzubinden, aber es ist nach dieser Erfahrung wie mit einer billigen Kopie eines Originals. Niemals lässt sie einen das Gleiche empfinden. Es war ein richtig schönes Jahr, vielleicht das schönste meines Lebens. Zumindest das Intensivste! So viel habe ich noch nie zuvor erlebt, noch nie so viele neue Eindrücke gesammelt. Mehr denn je kann ich mir jetzt vorstellen eines Tages Japan meine neue Heimat zu nennen. Ob es tatsächlich klappt wird sich eines Tages (hoffentlich) zeigen...