Da wir erst Abends in Hiroshima ankamen und von unseren Freunden am Bahnhof abgeholt wurden, ging es von dort ins Hotel, welches ein Teil vom Bahnhof ist. Somit wurde viel Zeit gespart und es ging ins "Vergnügungsviertel" von Hiroshima um Okonomiyaki zu essen. Viele wissen es bereits, aber Okonomiyaki ist eine Pfannkuchen mit fein geschnittenem Weißkohl. In den Teig werden neben dem Weißkohl gerne weitere Zutaten (von Meeresfrüchten bis Fleisch) hinzugegeben und schließlich wird das gebraten. In Hiroshima kommen noch Nudeln dazu. Während das Okonomiyaki eines deutschen Freundes auf diese Art hervorragend schmeckt, war dieses Okonomiyaki irgendwie ernüchternd. Saskia als "kansai-jin", der Region in der Okonomiyaki als Spezialität gilt, konnte dieser Zubereitungsart eh nichts abgewinnen und schwört weiterhin auf das Original.
Nun ist es so, dass Hiroshima eine weitere Spezialität zu bieten hat: nihonshu. In Deutschland besser bekannt als Sake. Diese Bezeichnung ist allerdings irreführend, weil sie im Japanischen nur für trinkbaren Alkohol steht. Darunter fallen, wie wir wissen, viele Sorten wie Whisky, Bier und eben auch Reiswein. Allerdings muss ich noch hinzufügen, dass der Reiswein nicht wirklich aus Hiroshima, sondern aus Saijô kommt. Diese ländliche Gegend in direkter Nachbarschaft ist bekannt für seine Brauereien und die ausgezeichnete Qualität. Und ich muss zugeben, dass ich auf der Fahrt vom Süden Japans bis nach Fukui in regelmäßigen Abständen den Reiswein der jeweiligen Region probierte und festgestellte, dass Sorten aus Fukui und Saijô sich von den anderen deutlich absetzen. Beide Orte sind bekannt für sauberes Wasser und eben auch den daraus gewonnenen Reiswein.
Nun gut, ich schweife ab. Ich hatte nun das Glück, dass unser nächstes Ziel eine Laden war, der sich auf Reiswein spezialisiert hat. Jeder hat einen nihonshu seiner Wahl bestellt und wir hatten wirklich alle Abstufungen von lieblich bis sehr trocken. Einige waren blumig und der Reiswein meiner Wahl leider schon fast ungenießbar trocken. Glücklicherweise haben wir uns gegenseitig probieren lassen, so musste ich den nicht alleine austrinken.
Anschließend ging es noch in eine Karaoke-Kette. Ich hatte noch meinen Mitgliedsausweis dabei, den ich schon seit über 1,5 Jahren nicht mehr benutzt habe und zu unser aller Überraschung funktionierte der immer noch und wir bekamen den versprochenen Mitgliederrabatt.Überraschend war auch wie schnell das Singvermögen nachlässt. Bereits beim ersten Lied merkte ich deutlich meine Stimmbänder. Diese Erfahrung teilte Saskia, der es sehr ähnlich ging. Spaß machte es natürlich trotzdem.
Am nächsten Tag mussten wir auch schon wieder Hiroshima verlassen. Die Zeit war knapp und wollte genutzt werden, was auch ein Grund dafür ist, dass wir so wenig Fotos in Hiroshima machten. In Toki haben wir auch keine Fotos gemacht. Das lag aber daran, dass diese Stadt einer Geisterstadt ähnelte. Die Einkaufstraße, die auf den Bahnhof zuführte deutete es schon an: Die geschlossenen Läden, verborgen durch die heruntergelassenen Rollläden vermittelten das Gefühl einer längst verlassenen Stadt, in der ein Wiederaufleben der Wirtschaft unwahrscheinlich schien. Es war wirklich trostlos. Verstärkt wurde das Gefühl durch das Regenwetter, welches uns am ersten Tag begleitete. Kein guter Zeitpunkt die Gegend zu erkunden. Doch leider mussten wir uns beeilen um noch einen Ofen, in dem Oribe selbst Keramik gebrannt haben soll, zu sehen. Außerdem gab es eine kleine Ausstellung der Forschungsstätte, die noch heute Ausgrabungen durchführt und jährlich Berichte veröffentlicht. Diese Berichte konnte man dort kaufen und ich habe mich vorsorglich mit einigen eingedeckt. Natürlich interessierten wir uns auch für die Keramiken, die in dieser Region gebrannt werden. Aber dieses Interesse sollte nicht befriedigt werden. Es gab in unserer Nähe kein einziges Geschäft, welches Keramik verkaufte. Nur bei der Touristen-Information waren einige, teils auch schöne Keramiken vorhanden, von denen wir aber keine mehr kauften, weil sie erst am Abreisetag entdeckten.
Vor der Touristen-Information haben wir noch eine kleine Gruppe Jugendlicher gesehen, die vor dem Bahnhof mit ihren Rollern parkten und sehr laut Musik hörten und rauchten. Sie mögen so um die 16 gewesen sein und benahmen sich sogar für deutsche Verhältnisse ziemlich daneben. Nun mag das vielleicht für den einen, oder anderen nicht erwähnenswert klingen und wenn man aus Hamburg kommt, dann ist man eigentlich nichts anderes gewohnt. Allerdings habe ich diese Erfahrung in Japan das erste mal gemacht. Und auch Saskia, die weit mehr Japan-Erfahrung als ich vorzuweisen hat, war erstaunt. Üblich ist das nicht...
Auch unser Hotel wirkte etwas gruselig. Die Einrichtung und der Teppich wurde seit der Eröffnung vor 20, oder 30 Jahren nicht gewechselt. Bei dem Teppich ist das nichts besonderes, weil bisher in jedem unserer Hotels der Teppich schmutzig gewesen ist. Und das sollte sich auch bis zu unserer Rückkehr nach Deutschland auch nicht mehr ändern. Der Hotelbesitzer schenkte uns dann noch zwei Kostbarkeiten, die ich als kleine Unverschämtheit wertete. Wir bekamen zwei Becher einer Kaffeehaus-Kette geschenkt, die scheinbar ihre abgenutzten Becher ausrangierte und dabei einen Abnehmer fand, der wiederum neue Abnehmer dafür suchte, in diesem Fall seine Kunden. Ganz ehrlich. Für mich war das Müll. Und Müll bekomme ich nicht gerne geschenkt. Der Zustand dieser Becher war wirklich äußerst bescheiden. Die ehemals weiße und glatte Oberfläche hat längst ihren Glanz durch die vielen Gebrauchspuren verloren. Am Abreisetag hätten wir noch fast unseren Zug verpasst, weil ich von dem Hotelbesitzer angesprochen wurde und er mir plötzlich anfing die unterschiedlichen Glasurtypen der dortigen Keramik zu erklären. An sich nicht uninteressant, allerdings kannte ich die Unterschiede schon, schließlich habe ich mich mit der Materie schon ein wenig auseinandergesetzt. Aber ich wollte nicht undankbar sein und hörte höflich zu.
Dann ging es nach Tajimi. nur ein paar Kilometer weiter und doch eine ganz andere Stadt, in der wir auch unsere Keramiken fanden. Über diese dann aber mehr im nächsten Blog.