Am 1. Mai kam Tomonori nach Fukui, weil er sonst wohl nie wieder die Gelegenheit hätte sich in diese Gegend zu verirren. Nachdem ich bei ihm zu Hause in Tokyo war und dort bei seinen Eltern übernachten durfte, war er an der Reihe bei mir für die Tage unterzukommen. Ausgestattet mit einem Reiseführer kam er mit dem Nachtbus um 9 Uhr morgens an. Nach nem Kaffee, er hat so gut wie gar nicht geschlafen, aber das kenne ich nur allzu gut, haben wir uns ein Auto gemietet. Es ging zum Eiheiji. Wie der Eiheiji ist, hab ich schon häufiger erwähnt, daher konzentriere ich mich auch die Feinheiten. Tomonori ist was Reisen angeht ein echter Japaner. Das Wichtigste sind nicht die Sehenswürdigkeiten, sondern das Essen. Und mir wird immer vorgeworfen, dass ich im Blog nur übers Essen berichte ¬¬ So musste er unbedingt die Soba-Nudeln, die wahrscheinlich genau so wie in ganz Japan schmecken, probieren. In Kanazawa hatten wir nicht genug Zeit was größeres zu essen, aber es gibt ja zum Glück noch regionale Süßigkeiten wie Eis und Mochi, oder Dango. Na gut, ich hab auch was probiert ._. An der Tojimbo Küste hat er frischen Seeigel probiert, weil er die so gerne mag und die ja ganz frisch sind. Und abends musste es natürlich in einen Laden gehen, in dem man eine Spezialität aus Fukui essen kann. So viel zum Essen... Aber da das Leben nicht nur aus Essen besteht gibt es noch andere Sachen zu erzählen:
- Mietautos sind teuer... Und vor allem die Autbahnen. Eine Strecke hat für uns in der Regel immer mindestens 10€ gekostet. Am Ende natürlich noch mal volltanken.
- Nicht gerade wenige Japaner finden es völlig in Ordnung in ihrer Freizeit ihr Geld in den Rachen von Hostessen zu werfen. Sie gehen dazu in sogenannte Clubs (Kyabakura), bezahlen dann für eine Stunde einen pauschalen Preis und bekommen dann eine häufig hübsche Frau als Unterhalterin an die Seite gestellt, welche einem Getränke einschenkt, die in dieser Stunde kostenlos sind. All u can drink sozusagen. Dabei unterhält sie sich mit dem Mann, macht ihm Komplimente, zündet ihm seine Zigarette an, wischt sein Glas alle paar Minuten ab, damit es schön glänzt und wenn sie auch was trinkt kostet es den Mann extra. Stammkunden können auch gezielt Frauen an ihren Tisch bestellen, wenn sie von einer besonders angetan sind. Aber mehr als dieses Gespräch und den Service drumherum bekommen sie nicht, auch wenn sie es sich natürlich trotzdem wünschen würden. Das war die teurste Stunde meines Lebens, glaube ich... Aber Tomonori wollte es mir unbedingt gezeigt haben und da halfen auch meine Einwände nicht, dass ich das schon mal in einer Doku gesehen habe und mir vorstellen kann, wie das abläuft. Naja, wie auch immer...
- Es gibt in Japan auch noch unberührte Landschaften und Dörfer wie z.B. Shirakawago. Mitten in den Bergen gelegen, hat sich dieses Dorf durch die Abgeschiedenheit in Isolation entwickelt und durch die harten Winter mit bis zu 5 Meter Schnee, hat die damalige Bevölkerung einen Baustil entwickelt, der eine so große Last tragen konnte. Solche Häuser sind noch erhalten und Tomonori sein Dank, sind wir dahin gefahren. Fotos gibts in den Archiven.
- Von allem Onsen haben wir uns das Schlechteste ausgesucht... Morgens haben wir eines im Internet recherchiert und dachten, es wäre im Freien. War dann doch nicht so... Es war echt kacke, weil klein und es wirkte so unnatürlich und hatte überhaupt nicht die Atmosphäre eines Onsen. Pech gehabt...
- In Kanazawa haben wir abends das Auto wieder abgegeben und sind noch mal Sushi essen gegangen. Natürlich nicht irgendein Sushi, es musste ja was besonderes sein. Am Anfang haben wir etwas bekommen, was ich als Rogen aufgefasst habe. Danach noch so Köstlichkeiten wie Krabbenhirn und Thunfisch. Thunfisch war super! Eigentlich mag ich den ja sonst nicht so gerne. Später sollte sich herausstellen, dass es doch kein Rogen war sondern Sperma... -.- Dann haben wir uns noch über BRäuche unterhalten, dass die Jungs zu besonderen Geburtstagen Sperma von verschiedenen Tieren gereicht bekommen, weil es angeblich so gut für Wachstum und Potenz wäre... Meine Begeisterung darüber hielt sich natürlich in Grenzen.
- Danach trennten sich die Wege. Nicht, weil ich ihm Böse war, dass ich Sperma gegessen habe, sondern weil er von dort aus in den Nachtzug nach Tokyo und ich nach Fukui gefahren bin. In Erinnerung bleiben viele Erfahrung, die ich ohne ihn sicherlich nicht gemacht hätte, auch wenn es einiges gekostet hat.
Sonst passiert in Fukui gerade nicht viel. Letzte Woche war ich in einer Disko, in der außer Jun, Ania und mir nur drei Japaner waren. Eine Katastrophe und ich hasse es ja zu tanzen. Dort habe ich noch einen Japaner kennengelernt, der sich die ganze Zeit an mich gehängt und mir was von seinen Lieblingsbands und so erzählt hat. Er hatte eine Rumflasche dabei, die er uns immer wieder angeboten hat zu trinken, somit ging der Abend feucht-fröhlich zu Ende.
Dieses Wochenende kommt Marlen nach Fukui und gleichzeitig ist das Festival unserer Uni. Mein Circle hat natürlich seinen eigenen Stand und mal sehen, was es nach dem Festival zu berichten gibt.
Zwei weitere Reiseziele sind angesetzt: Fukuoka um Yuusuke ein letztes Mal zu besuchen und ein Spiel von Avispa Fukuoka zu sehen und natürlich Okinawa. Letzteres steht im September an. So langsam wird mir schmerzlich bewusst, dass die Zeit hier dem Ende entegengeht. Schade, weil ich hier endlich zwei Tandempartner habe und darüber hinaus sich Freundschaften enwtickelt haben.
ja, ich lebe noch!
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Seit mehr als einem Monat bin ich nun wieder in Deutschland und endlich
finde ich die Zeit (und die Lust) einen neuen Eintrag zu schreiben (^^)''
Das Einge...
Vor 5 Wochen